TEUTONISTAN
Über ein Land, dass sich nur ungern erinnert.
Von Bülent Kullukcu & Karnik Gregorian
TEUTONISTAN ist sieben Tage Musiktheater, Diskurs, Film, Konzert & Video-Installation. Was, wenn die Geschichte Deutschlands neu erzählt wird – aus der Perspektive der Menschen, die überhört werden? Während rechte Parteien mit ‚Remigration‘ Schlagzeilen machen, hält Teutonistan dagegen - mit empowernden Geschichten, wütenden Sounds und solidarischen Erinnerungen. Teutonistan erzählt eine andere deutsche Geschichte – aus migrantischer Perspektive. Ein künstlerischer Gegenpol zu den Rückschritten unserer Zeit. Ein Plädoyer für ein neues, solidarisches Wir.
Alle Termine finden im PATHOS theater statt.
Die Mitte driftet nach rechts: Mehr Solidarität wagen!
Filmscreening von Töchter des Aufbruchs und anschließendes Gespräch mit der Regisseurin Uli Bez und einer Protagonistin.
Temporeich und mitreißend nimmt uns Rapperin Ebow mit auf eine Reise durch die Geschichte von Migrantinnen in Deutschland. Es sind drei Gruppen, mit denen die Filmemacherin Uli Bez gesprochen hat: die klassischen „Gastarbeiterinnen“ der 60er Jahre, die Gruppe der politischen Flüchtlinge z.B. aus dem Irak oder dem Libanon und die jungen Frauen, die aus den großmütterlichen und mütterlichen Wurzeln ihre kreative Kraft schöpfen. Mit Charme und Tiefgang erzählen die Frauen ihre oft abenteuerlichen Geschichten. Es sind Geschichten von der beharrlichen Anstrengung, Brücken zwischen den Kulturen zu bauen. Sie verhehlen auch nicht, daß es einen bleibenden Schmerz gibt: wenn die Kinder daheim im Dorf bleiben mußten und heute der Mutter entfremdet sind.
Wenn die Familie aufgrund der politischen Verhältnisse zerrissen ist, wenn das Gefühl von Heimatlosigkeit nicht verschwinden will. Dennoch - der Aufbruch aus Perspektivlosigkeit oder politischer Verfolgung ist auch ein Ausbruch aus traditionellen Lebenswelten, beflügelt von Freiheitsliebe, Sehnsucht nach Selbstbestimmung und Demokratie. Es sind kraftvolle Erfolgsgeschichten, gerade wenn die jungen Frauen aus der „Enkelinnenperspektive“ berichten. Mit Leichtigkeit und Scharfsinn rücken sie das Zerrbild von den angeblich schwer Intergrierbaren zurecht, das heute noch in vielen deutschen Köpfen und in den Medien spukt. „Komm mit mir fang an, fang in deinem Land an, denn ich habe Wanderlust…“ singt Ebow.
Im gemeinsamen Feiern und Tanzen schließt sich der Kreis: „Wir sind angekommen. Jede von uns hat einen Weg gefunden. Jede auf ihre ganz eigene Art.“
Mitwirkende Hayfa und Tuqa Ahmed, Zaara Araar, Roula Balhas, Etsegenet Dawit, Ebru Düzgün, Saime Kilic Düzgün, Tatiana Franke, Stavroula Kling, Inciser Kurt, Angelina Majkic, Francesca Melis, Elena Tsakmakis, Eleni Tsakmaki, Sula Zamani | Buch, Regie, Schnitt & Postproduktion Uli Bez | Kamera Schokofeh Kamiz | Ton Ruth Krause | Filmsong Ebow | Grafik Dagmar Ammon
Termin: Mo, 17.11. | 20:00
Tickets: 30 € Support-Ticket | 20 € normal | 12 € ermäßigt | 5 € Mindestpreis
ClimateFair-Tickets: 34 € Support-Ticket | 22 € normal | 14 € ermäßigt | 7 € Mindestpreis
Die Gerichte meines Vaters
Dokumentarfilm von Karnik Gregorian
Essen ist Erinnerung: Mit dem Film Die Gerichte meines Vaters erzählt Karnik Gregorian die Geschichte seines Vaters. Der Armenier Kevork Gregorian wurde 1932 im Osten der heutigen Türkei geboren. Durch die Massaker der Türken an den Armeniern verlor er 1938 einen Großteil seiner Familie und wurde vertrieben. 1962 kam er als sogenannter „Gastarbeiter“ nach Deutschland und fand im schwäbischen Giengen an der Brenz eine neue Heimat. Der Filmemacher Karnik Gregorian erzählt die Lebensgeschichte seines Vaters anhand von fünf Gerichten, die exemplarisch für einzelne Lebensabschnitte stehen.
Cordon Bleu, Bulgur, Bohneneintopf, Sulu Köfte und Brot mit Knoblauchjoghurt - Kevork Gregorians Kochkünste reichen von schwäbischen Spezialitäten bis zu alten armenischen Gerichten seiner Kindheit. Doch für ihn bedeutete das Kochen immer mehr. Nach dem Tod seiner Ehefrau musste der alleinstehende Vater dreier Kinder erst einmal kochen lernen - im Laufe der Jahre wurde es seine Leidenschaft. Durch die Gerichte drückt er seine Gefühle aus und heute sind sie Wegweiser und Antworten für sein Leben. Jedes Gericht steht für eine bestimmte Epoche in seinem Leben, in jedem steckt seine Herkunft, die Geschichten und Erlebnisse, die er in den 93 Jahren seines Lebens gemacht hat und damit seine Identität. Vom Leben seines Vaters, das geprägt ist von Verlust und Tod sowie dem unbedingten Willen weiterzuleben und sein Schicksal anzunehmen, erzählt Karnik Gregorian mit seinem Dokumentarfilm Die Gerichte meines Vaters sehr persönlich, aber ohne jemals die Distanz zu verlieren.
Dabei begibt sich der Filmemacher auf eine Reise von der schwäbischen Kleinstadt Giengen an der Brenz an den Ursprung seines armenischen Vaters, der im Osten der Türkei in einem kleinen Dorf geboren wurde. Hier verübte das türkische Militär 1938 ein Massaker an der Bevölkerung, bei dem Kevork Gregorian nicht nur seine Mutter und zwei Geschwister verlor. Nur mit Glück konnte sich der damals Sechsjährige unter einem Stein verstecken und so der Ermordung entgehen. Die Reise führt den Filmemacher bis zum Ararat, dem heiligen Berg der Armenier und damit an den Ursprung seiner eigenen Abstammung als Armenier.
Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch statt. Zum Film wird es zwei Gerichte meines Vaters aus dem Film zu Essen geben.
Mit Kevork Gregorian | Kamera Bernd Fischer | Ton Markus Krämer | Schnitt Uwe Wrobel | Text & Regie Karnik Gregorian | Produktion Leykauf Film in Zusammenarbeit mit ZDF/3sat | Entwickelt mit Unterstützung des MEDIA-Programms der Europäischen Gemeinschaft | Gefördert durch die MfG Filmförderung Baden-Württemberg | Lobende Erwähnung bei der Filmschau Baden-Württemberg 2004 | Armenian Panorama Golden Apricot Yerevan International Film Festival 2005 | Publikumspreis Armenian Film Festival San Francisco 2006
Termin: Mi, 19.11. | 20:00
Dauer des Films: 52 Minuten, anschließend Diskussion
Tickets: 30 € Support-Ticket | 20 € normal | 12 € ermäßigt | 5 € Mindestpreis
ClimateFair-Tickets: 34 € Support-Ticket | 22 € normal | 14 € ermäßigt | 7 € Mindestpreis
Sind wir uns denn so fremd?
Migrantischer Feminismus und der Kampf um Sichtbarkeit
Diskussion mit Margrit Gregorian, Susannah Perdighe, Özlem Tetik, Şahika Tetik u.a.
Meistens wurde und wird bis heute beim Thema Migration oder „Gastarbeiter*innen“ hauptsächlich über Männer gesprochen. Frauen kommen nur am Rand vor, oder werden klischeehaft dargestellt. Ein migrantischer Feminismus, wurde und wird bis heute oft ausschließlich als Ausdruck von Betroffenen wahrgenommen. Doch seit den 1970er-Jahren kämpften Migrantinnen, schwarze Frauen und Frauen of Color für ihre Rechte – nicht nur gegen patriarchale Strukturen, sondern auch gegen Rassismus und Ausgrenzung. Und wie ist es heute?
An unserem feministischen Diskursabend sprechen Frauen mit migrantischen Biografien über ihre Erfahrungen, Sichtbarkeit, Selbstbestimmung, Diskriminierung und Gleichberechtigung in der deutschen Gesellschaft. Wie können die Stimmen von Migrantinnen und Frauen of Color in Debatten endlich gehört werden? Wie muss ein gesellschaftlicher Diskurs geführt werden, der alle Frauen einschließt – ohne Hierarchien, ohne Vereinnahmung, ohne die unsichtbare Arbeit von Migrantinnen zu ignorieren?
Schon in den 1970er und 1980er- Jahren organisierten sich Frauen mit einem sogenannten „Migrationshintergrund“ eigenständig, da sie in der deutschen Frauenbewegung oft übergangen oder auf die Rolle der „Hilfsbedürftigen“ reduziert wurden. So fand vom 23.-25. März 1984 in Frankfurt am Main der Erste gemeinsame Frauenkongress statt. Über 1000 Frauen hatten zusammengefunden, um die besondere Unterdrückung von ausländischen Mädchen und Frauen zu ihrem Hauptthema zu machen. Dies wurde in einem gemeinsamen Kommuniqué des Kongresses so begründet:
„Wir kamen zusammen, weil auch bei Gegnern der Ausländerfeindlichkeit die Situation der Frauen nur als Randproblem diskutiert wird. Doch nicht nur in etablierten Parteien, politischen Organisationen und der Bewegung gegen Ausländerfeindlichkeit, sondern sogar in der Frauenbewegung werden die Ausländerinnen ausgeklammert. Wenn von ihnen gesprochen wird, dann klischeehaft ab „tapfere Heldinnen", oder besonders „bedauerte Opfer". Dabei wird immer wieder der eigene Weg zur Emanzipation zum ungebrochenen Maßstab für alle Ausländerinnen, nach dem sie beurteilt und bewertet werden.
Der erste gemeinsame Kongress ausländischer und deutscher Frauen 1984 in Frankfurt war ein Schlüsselmoment: Hier forderten Migrantinnen ein Ende der Diskriminierung, thematisierten Rassismus innerhalb der Bewegung und entwickelten eigene politische Strategien. Sie gründeten Vereine, Beratungsstellen und Netzwerke, um sich gegen Mehrfachdiskriminierung – durch Rassismus, Sexismus und klassistische Strukturen – zu wehren. Trotz Widerstand und mangelnder Solidarität seitens deutscher Feministinnen schufen sie Räume für Austausch, Empowerment und politische Arbeit. Ihre Forderungen nach Augenhöhe, intersektionaler Perspektive und der Anerkennung ihrer theoretischen und aktivistischen Beiträge prägten die Debatte um Feminismus in Deutschland nachhaltig. Bis heute wird ihr Engagement jedoch oft marginalisiert oder als „Betroffenheit“ statt als theoretische und politische Leistung wahrgenommen.
Das wollten die Frauen schon 1984 ändern und das ist bis heute aktuell:
„Für uns ausländische Frauen wird es höchste Zeit, dass wir gegen die gesellschaftliche Diskriminierung das Schweigen brechen. Im Austausch untereinander, aber auch im Austausch mit deutschen Frauen. Wir wollen aber nicht ihre Maßstäbe zur Grundlage unseres emanzipatorischen Weges machen.
Termin: Do, 20.11. | 20:00
Tickets: Eintritt frei
TEUTONISTAN
Musiktheater / Interdisziplinäres Bühnenprojekt von Bülent Kullukcu & Karnik Gregorian
TEUTONISTAN ist Musiktheater, das migrantische Geschichte in Deutschland neu erzählt – empowernd, poetisch, radikal. Live-Musik trifft auf Harsh Noise, Spoken Word auf dokumentarische Texte, politische Interventionen auf poetische Fiktion.
Interviews, Social-Media-Clips und historische Quellen verschmelzen mit Literatur und Komposition zu einer Partitur aus Archiv, Konzert, Performance und Protest - ein vielstimmiges, vibrierendes Erinnerungsarchiv. So entsteht eine szenische Collage, die Migration, Sprache, Alltag und das Fortwirken von Rassismus sichtbar und hörbar macht – von der Ankunft in der Fremde über sprachliche Barrieren bis zu den Kontinuitäten rassistischer Gewalt und rechter Ideologien in der Gegenwart.
Im Zentrum des Stücks steht Turgut Özben – Kulturvermittler und Sohn der zweiten Generation, Kind türkischer ‚Gastarbeiter*innen‘, der auf der Suche nach dem verlorenen Manuskript seiner Tante Selma Aydin ist. Selma, eine fiktive Figur, die aus realen Lebensgeschichten von Frauen der ersten Generation verbunden ist, war Fabrikarbeiterin, Schriftstellerin im Verborgenen und Chronistin des Unsichtbaren. Doch in ihr bündeln sich die Stimmen tausender Menschen, die damals kamen – und die bis heute beweisen müssen, dass sie hierher gehören. Turgut stößt auf ein Geflecht aus vergessenen Biografien, Kämpfen und kollektiven Erinnerungen.
Inspiriert von Oğuz Atays Kultroman Die Haltlosen und musikalisch angelehnt an das preisgekrönte Projekt Songs of Gastarbeiter, entsteht eine szenische Collage, die Migration und Sprache, Alltag und Ausgrenzung, Gewalt und Gemeinschaft sichtbar macht – vom Ankommen in der Fremde über Sprachbarrieren bis zu den Kontinuitäten von Rassismus und rechter Ideologie in der Gegenwart.
Regie & Video Bülent Kullukcu & Karnik Gregorian | Text & Musik Bülent Kullukcu | Interviews Karnik Gregorian | Schauspieler*innen Anne-Isabelle Zils, Murali Perumal | Musiker Anton Kaun, Josip Pavlov, Bülent Kullukcu | Expert*innen Helena Gregorian, Marco Perra, Margrit Gregorian, Özlen Sönmezler, Özlem Tetik, Şahika Tetik, Susannah Perdighe, Zakar Gregorian
Termine: Fr, 21.11. | 20:00 und So, 23.11. | 18:00
Ort: PATHOS theater
Dauer: ca. 90 min.
Tickets: 30 € Support-Ticket | 20 € normal | 12 € ermäßigt | 5 € Mindestpreis
ClimateFair-Tickets: 34 € Support-Ticket | 22 € normal | 14 € ermäßigt | 7 € Mindestpreis
Konzertabend
von Ippio Payo aka Josip Pavlov
Der Münchner Multiinstrumentalist Josip Pavlov, den man von Bands wie Majmoon, Das Weiße Pferd, Grexits oder Zwinkelmann sowie als Mitveranstalter der Reihe Maj Musical Monday und des Noise Mobility Festivals kennt, gibt ein Überraschungskonzert.
Termin: Sa, 22.11. | 20:00
Tickets: 30 € Support-Ticket | 20 € normal | 12 € ermäßigt | 5 € Mindestpreis
ClimateFair-Tickets: 34 € Support-Ticket | 22 € normal | 14 € ermäßigt | 7 € Mindestpreis
DiskursFilmInstallationLiteraturMultimediaMusikPATHOS theaterPerformanceTanzTheater
Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

In Kooperation mit Tanztendenz München.

© Fotos und Grafiken: Bülent Kullukcu
Für Gehbehinderte und Rollstuhl geeignet
Eingeschränkte Barrierefreiheit
Behinderten Parkplatz
